Mai, 2021

Raus aus der „Wegwerfgesellschaft“: Deutschlands Weg in eine Circular Economy

München/Berlin, 11. Mai 2021. Heutige Produktions- und Konsummuster folgen meist einer linearen Logik: extrahieren, herstellen, konsumieren, entsorgen. Zu den Folgen zählen Klimawandel und Umweltverschmutzung. Eine Circular Economy zielt darauf ab, dies grundlegend zu verändern, indem Material- und Energiekreisläufe optimiert und soweit wie möglich geschlossen werden. Welche Veränderungsprozesse dafür notwendig sind, zeigt die Circular Economy Initiative Deutschland in ihrer Roadmap, die sie heute an das BMBF übergeben hat. Darin gibt die Initiative Politik, Wirtschaft und Wissenschaft Empfehlungen an die Hand, wie die Transformation hin zu einer zirkulären Wirtschaft gelingen kann.

Foto: pixabay, stux

Anlässlich der Übergabe der Circular Economy Roadmap für Deutschland an das Bundesministerium für Bildung und Forschung auf der virtuellen Veranstaltung „Made with Germany” - Deutschland auf dem Weg zur Circular Economy“, sagte Michael Meister, Parlamentarischer Staatssekretär bei der Bundesministerin für Bildung und Forschung: „Wir brauchen eine ressourceneffiziente Kreislaufwirtschaft, um auch zukünftigen Generationen eine Welt zu hinterlassen, in der sie gesund und in Wohlstand leben können. Die Circular Economy Roadmap für Deutschland zeigt, wie es uns in Wissenschaft, Wirtschaft, Gesellschaft und Politik durch gemeinsame Anstrengungen gelingen kann, dieses Ziel zu erreichen.“

Zentral für eine Circular Economy ist es laut Susanne Kadner, Leiterin der Geschäftsstelle der Circular Economy Initiative Deutschland, das Wirtschaftswachstum vom Ressourcenverbrauch zu entkoppeln: „Diese Trennung ermöglicht es uns, unsere Lebensqualität zu steigern und einen gerechten Wohlstand zu sichern, ohne gleichzeitig über die planetaren Grenzen hinaus zu wirtschaften.“Berechnungen im Rahmen der Initiative hätten gezeigt: „Mit den Hebeln einer Circular Economy – also zum Beispiel einer längeren Nutzungsdauer und -intensivierung sowie deutlich mehr Recycling – könnte in Deutschland bis zum Jahr 2050 die gesamte Menge an Primärrohstoffen um 68 Prozent gegenüber 2018 reduziert werden.“Wenn eine Circular Economy konsequent umgesetzt werde, könne sie entsprechend mehrere eng miteinander verwobene Krisen zugleich adressieren: So zum Beispiel den Klimawandel und das EU-Ziel aus dem Green Deal bis zum Jahr 2050 klimaneutral zu werden – aber auch Ressourcennutzung, Biodiversität und globale Gesundheit.

Damit dieses Ziel für Deutschland Realität werden kann, muss ein Transformationsprozess in Gang gesetzt werden, den die Expertinnen und Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Gesellschaft mit der heute erschienenen Circular Economy Roadmap für Deutschland anstoßen möchten.Thomas Weber, acatech Vizepräsident und Vorsitzender der Circular Economy Initiative Deutschland, erläutert: „Deutschland braucht – und das besser heute als morgen - eine integrierte, umfassende Circular Economy-Strategie mit konkreten Zielen zu Themen wie Abfallvermeidung, Recycling oder dem Gesamtressourcenverbrauch.“Die Umsetzung des vorgeschlagenen Maßnahmenpakets müsse seitens der Politik ressortübergreifend koordiniert und von einem transdisziplinär besetzten Expertenbeirat begleitet werden. „Ein konkretes Marktmodell für mehr Zirkularität kann nur gemeinsam von Politik und Wirtschaft entwickelt und dann auch umgesetzt werden“, so Thomas Weber.

Mit diesen und weiteren Handlungsempfehlungen beschreibt die Initiative den schrittweisen Übergang zu einer Circular Economy bis zum Jahr 2030. Einen zentralen Baustein, um diesen Durchbruch zu vollziehen, erläutert Martin Stuchtey, Managing Partner von SYSTEMIQ – Mit-Initiatorin und Kooperationspartnerin der Circular Economy Initiative Deutschland: „Wir brauchen eine Neuausrichtung finanzieller Anreize – inklusive Steuern, Subventionen und Bepreisung von Umweltschäden – zur Unterstützung von klima- und ressourcenoptimalen Wirtschaftsentscheidungen. Sprich: wir müssen wirtschaftliche Akteure entsprechend der Höhe ihrer Ressourcenverbrauche und Umwelteffekte belasten beziehungsweise entlohnen.“ Unterstützen würden solche Maßnahmen dann sowohl den Schutz des Klimas und der Biodiversität als auch die Entwicklung innovativer digitaler Geschäftsmodelle nach dem Vorbild von Industrie 4.0. „Ein Beispiel für eine solche Maßnahme ist die Verschiebung von Abgaben in Richtung der Bepreisung von CO2 und Ressourcennutzung – wobei es parallel hierzu weiterer wissenschaftlicher Analysen der Wirkung solcher Maßnahmen bedarf.“ Die Initiative empfiehlt den Bundespolitikerinnen und -politikern diese und weitere Themen innerhalb der Europäischen Union als Impulsgeber für eine Circular Economy voranzutreiben.

Doch nicht nur Politik und Wissenschaft sind laut Thomas Weber gefragt. Auch Unternehmen sollten eine industrie- und umweltpolitische Orientierung explizit aktiv unterstützen, um zu ermöglichen, dass eine Circular Economy umgesetzt werden kann: „Wir haben mit der Circular Economy Initiative Deutschland zehn Handlungsschwerpunkte herausgearbeitet. Diese zeigen, wie Unternehmen durch neue Geschäftsmodelle zu einem Lieferanten von „zirkulären Dienstleistungen“ anstelle von Produkten werden können.Durch die Gestaltung einer Kunststoffkreislaufwirtschaft können wir so etwa dem Abfallproblem begegnen. Ein anderes Beispiel ist das zirkuläre Batteriemanagement; hier kann aus einem Ressourcenengpass eine neue Dienstleistungsbranche entstehen. Gemeinsam müssen wir diese Vorschläge jetzt umsetzen – da steckt viel Musik drin!“

Über die Circular Economy Initiative Deutschland

Die Circular Economy Initiative Deutschland wurde im März 2019 gegründet. Gefördert wird sie vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF). Beteiligt sind neben dem BMBF das Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Nukleare Sicherheit, das Ministerium für Wirtschaft und Energie, 23Unternehmen, 24Forschungseinrichtungen und weitere relevante zivilgesellschaftlichen Organisationen. An der heute erschienenen Circular Economy Roadmap Deutschland haben über 130 Expertinnen und Experten interdisziplinär und branchenübergreifend zusammengearbeitet.Dazu haben sie unter anderem die Ergebnisse dreier Arbeitsgruppen zu den Themen „Zirkuläre Geschäftsmodelle“, „Verpackungen“ und „Traktionsbatterien“ der Circular Economy Initiative Deutschland synthetisiert.


Quelle und weitere Informationen

Website idw


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