Juni, 2021

ISOE Policy Brief: Kunststoffverpackungen vermeiden oder nachhaltig gestalten

Am 3. Juli 2021 treten neue gesetzliche Regelungen zur Reduzierung von Verpackungsmüll in Kraft. Sie sollen entsprechend einer EU-Richtlinie die Flut an Plastikmüll eindämmen, indem etwa Produkte aus Einwegkunststoff wie Geschirr und Trinkhalme verboten oder Getränkeverpackungen mit neuen Pfandauflagen versehen werden. Industrie und Handel stehen dann vor einer großen Herausforderung: Wie sehen Nachhaltigkeitskriterien sowie Innovationen für den Ersatz und für die Umgestaltung kurzlebiger Plastikverpackungen aus?

Bild von photosforyou auf Pixabay

Im aktuellen Policy Brief des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung zeigen Wissenschaftler*innen der Forschungsgruppe PlastX Wege zur Vermeidung und nachhaltigen Gestaltung auf.

Mit der Novelle des Verpackungsgesetzes und weiteren Verordnungen setzt die Bundesregierung zum 3. Juli 2021 die EU-Kunststoffrichtlinie um. Bestimmte Einwegkunststoffprodukte wie Trinkhalme, Rührstäbchen, Luftballonstäbe oder Einweggeschirr aus konventionellem Plastik und sogenanntem „Bioplastik“ sind dann verboten. Auch To-go-Becher und Einwegbehälter aus Styropor dürfen nicht mehr produziert und in den Handel gebracht werden. „Weil ein großer Teil des gegenwärtigen Plastikmülls aus nur kurzzeitig genutzten Einwegverpackungen stammt, ist es folgerichtig, dafür zu sorgen, dass der Einsatz von Kunststoffverpackungen grundlegend reduziert wird,“ sagt Carolin Völker, Leiterin der Forschungsgruppe PlastX. „Allerdings müssen wir weiterhin mit einem hohen Aufkommen an Plastikmüll rechnen, denn es gibt schlichtweg noch zu wenig Innovation und Nachhaltigkeitsmanagement im Umgang mit Kunststoffverpackungen.“ 

Plastikmüllaufkommen: Regulierung greift zur kurz

Aus Sicht der ISOE-Forscherin geht die Regulierung mit dem Fokus auf Vermeidung von Service- und To-go-Verpackungen sowie auf verstärktes Recycling nicht weit genug. Denn ein wesentlicher Teil des Kunststoffverpackungsmülls fällt durch klassische Produktverpackungen in Supermärkten an, die ebenfalls nur einmal verwendet werden. „Für diese Verpackungen sieht die neue Regelung aber lediglich eine Kennzeichnungspflicht vor,“ kritisiert Völker. „Ein spezielles Label, das Verbraucher*innen vor Umweltschäden durch Plastik warnt, ist natürlich nicht verkehrt, es greift jedoch zu kurz.“ Gerade für die herkömmlichen Produktverpackungen sei eine drastische Reduzierung und ein konsequenteres Ökodesign ebenso notwendig wie die Ausweitung von Mehrweglösungen.

Abschied von Standardlösungen – Verpackungen bedarfsorientiert und nachhaltig gestalten

Mit weiteren Wissenschaftler*innen der PlastX-Gruppe hat Völker die wichtigsten Empfehlungen für Unternehmen und Verbände in der Lebensmittelversorgung sowie für Entscheidungsträger*innen in Politik und Behörden in einem ISOE Policy Brief zusammengefasst. „Wer als Pionier der Nachhaltigkeit zur Lösung des Plastikmüllproblems beitragen will, muss sich von Standardlösungen verabschieden“, sagt PlastX-Forscher Lukas Sattlegger. „Zentral ist die Frage, wo Verpackungen weggelassen oder eingespart werden können“. Kritisch zu hinterfragen sei aber auch: Was muss eine Verpackung können? Was ist die nachhaltigste Verpackungslösung für den konkreten Anwendungsfall und wie lassen sich nachhaltige Innovationsprozesse dafür vorantreiben? „Verpackungen müssen grundsätzlich vom Bedarf und von der Nachhaltigkeit her gedacht werden“, sagt Sattlegger. 

Erweiterte Materialtests für neue Kunststoffverpackungen zur toxikologischen Sicherheit

Der ISOE Policy Brief Nr. 8 „Lebensmittelverpackungen – nachhaltig“ zeigt die Kriterien für eine nachhaltige Verpackungsauswahl auf, von der Ökobilanz über das Recyclingpotenzial bis hin zur chemischen Sicherheit. Explizit weisen die Wissenschaftler*innen darauf hin, dass die toxikologische Sicherheit von Verpackungsmaterial bislang nicht in gängigen Ökobilanzen berücksichtigt werde. „Es sind insbesondere die in Kunststoffen enthaltenen Zusatzstoffe wie Weichmacher oder Farbstoffe, die an die Lebensmittel abgegeben werden können und deren toxikologischen Effekte in der Summe noch nicht ausreichend verstanden sind,“ sagt Ökotoxikologin Carolin Völker. Vor der Einführung neuer Verpackungen sollten deshalb grundsätzlich erweiterte Materialtests durchgeführt werden. Damit dies gewährleistet sei, hält sie eine gesetzliche Regulierung für notwendig. Darüber hinaus bieten die Handlungsempfehlungen wichtige Hinweise zur Reduzierung von Verpackung unter Berücksichtigung von Produkt- und Ladenpräsentation sowie der Warenlogistik.


Quelle und weitere Informationen

Website idw


efa+ - Effizienz Agentur NRW Hessen - Trade & Invest. Wirtschaftsförderer für Hessen SAM ThEGA - Thüringer Energie- und GreenTech-Agentur GmbH Umwelt Technik BW VDI Zentrum Ressourceneffizienz