April, 2022

Energiesuffizienz als Leitprinzip der Politik

Mit einem Appell wenden sich rund 40 ausgewiesene Expertinnen und Experten aus dem Bereich der Energie- und Nachhaltigkeitsforschung an Politik, Unternehmen sowie an Bürgerinnen und Bürger: „Energiesuffizienz muss zu einem Leitprinzip der Politik werden“. Hintergrund ist die aktuelle Diskussion um die Frage, wie energiepolitisch auf den Krieg in der Ukraine zu reagieren sei. Dabei sehen die Unterzeichner*innen des Appells das Prinzip der Energieeffizienz zu wenig im öffentlichen Bewusstsein. Energie-, Konsum- und Mobilitätsforschende des ISOE – Institut für sozial-ökologische Forschung haben an dem am 1. April 2022 veröffentlichten Thesenpapier mitgearbeitet und unterstützen den Appell.

Copyright: Nattanan Kanchanaprat auf Pixabay
Copyright: Nattanan Kanchanaprat auf Pixabay

Nicht erst seit dem Krieg in der Ukraine wird in Deutschland über Energiesicherheit diskutiert. Doch gegenwärtig überschlagen sich die Vorschläge für energiepolitische Lösungen geradezu. Dabei sehen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Forschungsfeldern Energie, Konsum und Mobilität ein Schlüsselprinzip nicht ausreichend berücksichtigt. Mit einem Appell an Politik, Unternehmen und Bevölkerung wollen sie das „Schlüsselprinzip Energiesuffizienz“ ins öffentliche Bewusstsein rücken.

Energiesuffizienz bedeutet, den Bedarf an Energie zu senken. Dabei lassen sich diese Nebeneffekte erzielen: Energiesuffizienz senkt Kosten, reduziert den Bedarf an Zukäufen, macht energiepolitisch unabhängiger und ist klimapolitisch hilfreich. Energiesuffizienz müsse deshalb zu einem zentralen Prinzip politischen Handelns werden. Das fordern auch die ISOE-Forscher*innen Jutta Deffner, Konrad Götz und Immanuel Stieß, die ebenso wie die wissenschaftliche Geschäftsführerin des ISOE, Flurina Schneider, an dem gemeinsamen Thesenpapier mitgearbeitet haben. Das ISOE unterstützt den Apell als wissenschaftliche Einrichtung.


Suffizienz bietet Handlungsspielraum für Energiesicherheit


Neben vielen anderen drängenden Fragen muss sich Politik in der Folge des Krieges derzeit fragen: Lässt sich ein Öl-, Gas- oder Kohleembargo gegen Russland realisieren, ohne die Gesellschaft zu destabilisieren? Wie kann auf einen möglichen Lieferstopp aus Russland reagiert werden und wie kann rapide steigenden Energiepreisen begegnet werden? Politisch werden überwiegend Möglichkeiten wie eine kurzfristige Abfederung sozialer Härten, Verträge mit zusätzlichen Lieferländern und eine größere Vielfalt der Energiequellen diskutiert: schnellerer Ausbau erneuerbarer Energien, aber auch Atomkraft, Kohle oder Fracking-Gas. 


Einsparpotenziale und positive Effekte von Energiesuffizienz


Im Thesenpapier zeigen die Unterzeichnenden nicht nur Einsparpotenziale in den Bereichen Verkehr, Wärme, öffentliche Gebäude, Gewerbe, Dienstleistungen und Handel sowie Industrie, Landwirtschaft und Digitalisierung auf, sie arbeiten auch die positiven Effekte von Energiesuffizienz heraus. Sie macht nach Ansicht der Expertinnen und Experten unabhängiger und widerstandsfähiger gegen Energie-Lieferausfälle und damit politisch handlungsfähiger. Zudem seien viele Energiesuffizienz-Maßnahmen kurzfristig umsetzbar und noch dazu günstig, da sie nur sehr geringe Investitionen und Infrastrukturen benötigen. Darüber hinaus ließen sich mit Energiesuffizienz neue Abhängigkeiten von klimaschädlichen Technologien ebenso verhindern wie Kompromisse mit Staaten, die Menschenrechte missachten. 

Der Aufruf zu energiesparendem Handeln richtet sich an Bürgerinnen und Bürger ebenso wie an Organisationen und Unternehmen und an die Politik, die Energieeffizienz als politische Strategie ernst nehmen und umsetzen solle. Die Forscherinnen und Forscher fordern die politisch Verantwortlichen dazu auf, umgehend damit zu beginnen, Deutschland und Europa durch Energiesuffizienz krisenfester zu machen.



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