Mai 2020

Corona provoziert Effizienz-Bashing zu Unrecht

Gerade für die Nachhaltigkeit müssen Effizienz und Resilienz gemeinsam gedacht werden.

Copyright: Prof. Dr. Mario Schmidt, Hochschule Pforzheim

In einem aktuellen Diskussionsbeitrag in der Fachzeitschrift Sustainability Management Forum kritisiert der Umweltwissenschaftler Professor Mario Schmidt den derzeitigen Reflex, das Effizienzdenken für viele Missstände in der Corona-Bekämpfung verantwortlich zu machen. „Der Gegensatz zu Effizienz ist nicht Resilienz, sondern Verschwendung“, fasst der Wissenschaftler von der Hochschule Pforzheim seine Position zusammen. „Nachhaltigkeit ist ohne die Komponente der Effizienz nicht erreichbar, deshalb ist es absurd, dass gerade Vertreter aus dem ökologischen Lager hier Stimmung machen“. Es gehe vielmehr darum, Maßnahmen zur Absicherung von Risiken als zusätzlichen Wert anzusehen, also nicht als Verschwendung. Das sei ein großer Unterschied in der Bewertung der Strategien. Dann ließen sich auch gleichzeitig resiliente und effiziente Systeme denken. Aber Effizienz sei immer notwendig, da es stets um den Einsatz begrenzter Mittel ginge und man entscheiden müsse, wofür man sie sinnvoll einsetzt.
Im Klimaschutz etwa mache diese Kritik an der Effizienz keinen Sinn, betont Schmidt. Dort müsse man sparsamer mit Energie-Dienstleistungen umgehen und sie müsse regenerativ hergestellt werden. Aber Energie müsse auch effizient eingesetzt werden, z.B. durch Wärmedämmung oder verbrauchsarme Fahrzeuge. Das stehe in keinem Gegensatz zur Resilienz.

Schmidt ist Direktor des Instituts für Industrial Ecology und arbeitet seit vielen Jahren im Bereich der Ressourceneffizienz, also wie in einer Industriegesellschaft schonender mit Rohstoffen umgegangen werden kann. „Wenn wir beispielsweise Industrieanlagen in Deutschland aus vordergründigen ökologischen Gründen schließen und Produkte nur noch aus dem Ausland beziehen, dann machen wir uns einerseits abhängig, andererseits haben wir aber auch keinen Einfluss mehr darauf, wie produziert wird,“ meint Schmidt. Das sei keinesfalls nur den schlanken Lieferstrukturen, sondern auch den Forderungen aus dem Umweltlager zuzuschreiben. Er vermisst insbesondere im Bereich des Recyclings von Metallen eine resiliente Infrastruktur, das gehe dann auch zu Lasten der Ressourceneffizienz. So seien beispielsweise Metallhütten nicht nur für die Verhüttung von Erzen aus den Bergwerken notwendig, sondern auch für Metallschrotte und für die Rückgewinnung wichtiger Technologiemetalle. „Es fehlt bei uns eine Industriepolitik, die beides kombiniert: resiliente Produktions- und Lieferstrukturen und Ressourcen- und umweltschonendes Produzieren,“ fasst Schmidt seinen Einwurf zusammen.


Quelle und weitere Informationen

idw online


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