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Effizientere Technik kann CO2-Ausstoß sogar um ein Viertel senken

Die Verwendung energieeffizienter Technologien kann den globalen CO2-Ausstoß um acht Gigatonnen pro Jahr senken, und damit fast doppelt so stark wie bisher angenommen. Voraussetzung wäre, dass zumindest die Energieeffizienz der bereits verfügbaren Technologien auch tatsächlich weltweit genutzt wird. Das gilt besonders für die Bereiche Raffinerieprodukte, Metallverarbeitung und Chemieprodukte und vor allem für den Austausch mit China und Indien – aber auch den USA. Dies sind Ergebnisse der neuen Studie „Reducing global CO2 emissions with the technologies we have“.

Wissenschaftler des Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change (MCC) haben sie jetzt gemeinsam mit Forschern der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg und des Zuse-Instituts Berlin im Fachmagazin Resource and Energy Economics veröffentlicht.

Die neuen Ergebnisse unterstreichen die Bedeutung energieeffizienter Technologien für den Klimaschutz. Mittels modernster Produktionstechnologien, die über den derzeitigen Standard hinausgehen, könnten demnach sogar mehr als zehn Gigatonnen eingespart werden. Das wären rund ein Viertel aller derzeitigen globalen CO2-Emissionen.

Die höheren Einsparpotentiale haben die Wissenschaftler durch die breitere Perspektive ihres Ansatzes entdeckt. Im Vergleich zur vorhergehenden Forschung berücksichtigt die Studie die kompletten Wertschöpfungsketten und ihre globalen Wechselwirkungen. Dafür haben die Forscher unter anderem Daten der World Input-Output Database (WIOD) verwendet. Den Einsatz von Technologien in den verschiedenen Industriezweigen und Lieferketten haben sie in ihrem Modell optimiert. „Wir können zeigen: Bei Emissionsreduktionen durch Effizienzsteigerung spielt die Musik in den Vorketten der Produktionsabläufe“, sagt Leitautor Hauke Ward vom MCC. „Global gesehen geht es nicht einmal um die allerneueste Technik. Wenn zumindest Standardtechnologien zum Einsatz kommen, ist schon viel gewonnen.“

Wird das CO2-Einsparpotenzial durch den Transfer effizienter Technologien in den „Hot-Spot“-Branchen wie etwa bei Raffinerien, der Metallverarbeitung oder der Chemieproduktion genutzt, lässt dadurch auch der Druck auf die nur schwer und langfristig umzubauenden Energiesysteme etwas nach. „Mehr Technologie-Kooperationen sind ein – vor allem kostengünstiger – Weg, um den gefährlichen Klimawandel zu begrenzen“, sagt Ward. „Solange sich eine politische und effektive Umsetzung beim Klimaschutz weiter verzögert, können die Vorreiter in der Zwischenzeit bereits diesen Weg einschlagen.“

Politisch besonders relevant sind die neuen Erkenntnisse vor allem für die Klimafinanzierung. Der Export effizienterer Technologien von Industriestaaten in Entwicklungsländer kann sich nach Einschätzung der Forscher auch finanziell rechnen. Denn der Technologietransfer steigert vor Ort die Produktivität der heimischen Unternehmen.

Mit Blick auf das besonders hohe Klimaschutzpotenzial durch Energieeffizienz in speziellen Branchen schlagen die MCC-Wissenschaftler vor, dass diese durch Mechanismen der Klimafinanzierung wie etwa den „Green Climate Fund“ als „Katalysator für den Technologietransfer“ unterstützt werden sollten. „Speziell sich entwickelnde Länder würden stark von effizienteren Technologien aus den Industrienationen profitieren, selbst wenn es sich nicht um die allerneuesten Entwicklungen handelt“, sagt Jan Steckel, MCC-Gruppenleiter für Klimaschutz und Entwicklung und Ko-Autor der Studie. „Das gilt vor allem, wenn mehrere Technologien gleichzeitig ersetzt werden.“

Quelle: idw

Weitere Informationen zur Studie erhalten Sie unter:

http://www.sciencedirect.com/science/article/pii/S0928765516302123 und

http://www.mcc-berlin.net/

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